Willkommen

Das Auto als Paradigma. Ein Paradigma (grundsätzliche Denkweise) definiert sich für mich auch daraus, was wir als „normal“ bezeichnen. Schon beim erstellen der Überschrift zu dieser Seite wurde mir das wieder bewusst. Was kann ich den mit oder ohne Auto … Auf anhieb vielen mir zwei mögliche Überschriften ein, die da wären „Ohne Auto sein„, „Ohne Auto leben„. Soll das heissen, dass Auto ist Teil meines Seins oder ein Teil dessen was ich als Leben definiere? Das Auto ist in unserer Gesellschaft ganz normal geworden. Natürlich kann ein eigenes Auto auch eine sinnvolle Sache sein. Unser Leben beruht auf einer gewissen Mobilität. Doch Mobilität kann auch auf andere Weise geschaffen werden. Auslöser für diesen Blog war, dass wir merkten, den Sinn eines eigenen Autos noch nie hinterfragt zu haben. Es war normal eines zu haben, wenn man es bezahlen kann.

Wir möchten alle einladen unserem Blog zu folgen und dadurch auch selbst anzufangen sich zu fragen:

Wie stehe ich zum Thema Auto?

Darüber hinaus möchte ich Euch die Informationen und praktischen Tipps, die wir uns schon erarbeitet haben zur Verfügung stellen.

Das Fahrrad muss auf den Kompromissen rollen

In unserer Kleinstadt hat sich nicht viel getan. Das lässt diesen Blog auch ein wenig sparsam aussehen. Ich möchte aber mal auf eine ideologische Seite des Fahrradfahrens eingehen. Angeregt durch einen Podcast des Deutschlandradio (Link zum Beitrag) habe ich mir meine Gedanken gemacht. Im Großen und Ganzen bewegen wir uns als Radler auf Kompromisswegen. Wir teilen uns den Gehweg mit den Fussgängern und wo eine Fläche mal nicht für die Autos verplant ist fällt was für uns ab. So ist dann auch die Position als Verkehrsteilnehmer. Für die Fussgänger stellen wir eine Gefahr dar, denn wir haben mehr Masse und sind schneller. Wir kommen auch noch einfach um die Ecke oder von hinten angebraust. Das wir mit einem Klingeln nur auf uns Aufmerksam machen wollen wir manchmal als Verscheuchen gedeutet. Für die Autofahrer sind wir ein Hindernis. Sie fühlen sich in Ihrem Anspruch auf Schnelligkeit und fließendes Fahren von uns Behindert. Ursache des Ganzen ist, dass wir vielerorts keine eigenen Wege haben.

Diese Situation kann sich nur ändern wenn wir alle umdenken. Ich habe kein Problem damit mir einen ausreichend breiten Fussweg zu teilen, aber der Akzeptanz des Rades als Alltagsverkehrsmittel dient es nicht. Wir haben uns für diese Saison vorgenommen, unsere Stadt in Hinblick auf Pro- bzw. Kontra-Fahrrad zu dokumentieren. Mal sehen wie weit wir kommen.

Hinterher – unser Kofferraum

hinterher_1Jetzt sind es schon 2 Monate ohne Auto und die Reue ist immer noch nicht gekommen. Wie bereits angesprochen, haben wir uns auf der Ispo-Bike  einen „hinterher“ gegönnt. Wir nennen den Fahrradanhänger unseren Kofferraum. Bisher haben wir mit unserem Kofferraum nur gute Erfahrungen gemacht. Er ist solide verarbeitet, ausreichend groß und wirklich einfach zu handhaben. Beim Fahren folgt er uns leise und treu. Die erste große Tour, die wir zu fünft mit Anhänger bestritten haben, war unsere Reise zum Zeltplatz in Rieden. Am Abreisetag hat es leider die ganze Zeit geregnet und so gestaltete sich die Fahrt auf der alten, gesandeten Bahntrasse zu einer Sandsammelaktion. Ich schaufelte mit dem Hinterrad während der Fahrt ständig Sand auf den Anhänger. hinterher_2Dank der guten Verpackung unserer Schlafsäcke und dem Zelt, reichte einen Wasserschlauch um alles wieder sauber zu machen. Auch hier zeigten sich die Vorteile der klaren Konstruktion des Anhängers, denn es gab keine Falze oder filigrane Bauteile, in denen der Schmutz sich festsetzen konnte.

Wenn wir zum Einkaufen fahren und dazu den Anhänger mitnehmen, ist der Anhänger auch gleichzeitig unser Einkaufswagen. Zum einen wissen wir gleich, ob wir alle Einkäufe gut auf dem Anhänger verstauen können und wir müssen den Anhänger nicht vor dem Laden absperren. Mit der Zeit, denke ich, werden sich auch unsere Mitmenschen an diesen Anblick gewöhnen.

Auto verkauft – Ispo besucht

So jetzt ist der einfache Rückzug aus der autolosen Zeit vom Tisch. Unser Prius ist verkauft. Dass wir nun schon 2 Monate ohne Auto klasse zurechtkommen liegt wohl auch am Wetter, nichts desto trotz sehen wir zuversichtlich in die Zukunft. Am Sonntag auf der Ispo Bike in München konnten wir die Tendenz in Richtung einer neuen Generation-Fahrrad persönlich erleben. Die Aussteller zeigten, was mit dem Fahrrad alles machbar ist. Transport, Sport, Alltag und Freizeit  – Das Spektrum ist enorm und ich bin schon gespannt, was die Zukunft noch alles bringt. Auch wenn schon viel umgesetzt wurde, sehe ich dieses Marktsegment erst am Anfang seines Potentials. Leider waren nicht so viele innovative Anbieter auf der Messe wie wir dachten. In Gesprächen haben wir dann auch den Grund dafür erfahren. Schon Ende August ist die Euro Bike in Friedrichshafen. Das scheint wohl die eigentliche Messe für die Fahrradenthusiasten zu sein. So ist es gerade für die Kleinen der Branche nicht lohnend in beide Messen zu investieren. Ob wir auch auch an den Bodensee zur Eurobike fahren weiss ich noch nicht.

Wir haben dennoch ein paar Utensilien für uns gefunden . Das Beste ist unser neuer Kofferraum – ein Anhänger. Mehr zu unserem HHmini (für Neugierige) bald auf diesem Blog.

Schauen Sie rein, lesen sie mit das wird super, das wird toll. Lösen Sie die Chips an der Kasse!

Entschleunigen

Dass wir mit Fahrrad nicht so schnell unterwegs sind als mit dem Auto war uns klar. Dass jetzt alles langsamer geht war für uns die klare Folge. Dass dieses Langsamer aber im Großen und Ganzen kein Nachteil sein wird ist neu für uns. Mit Auto arbeiteten wir alle anstehenden Termine, Besorgungen und Erledigungen einfach im Alltag mit ab. Das war nicht immer wirklich einfach. Eine Sache erledigt wurde nach einem Blick auf die Uhr noch schnell das nächste Ziel angesteuert. Nicht immer ließ dann der Verkehr zu auch wirklich so schnell zu sein wie wir dachten. Parkplätze waren in diesen Momenten auf einmal Mangelware und der Parkscheinautomat grundsätzlich am anderen Ende. Also schnell ohne Parkschein rein in die Stadt, dann aber auch schnell wieder zurück zum Auto. Im Sommer dann aus dem klimatisierten Auto raus „Uff, ist dass heiss!“. Anschließend wieder ins Auto rein „Uff, ist das heiss, noch heisser!“ Zuhause angekommen war dann zwar einiges erledigt aber der Stress ebenso gut spürbar. Und vergessen hatten wir trotzdem meist irgendwas.

Mit dem Fahrrad oder Bus planen wir ganz anders. Der Faktor Reihenfolge und Zeit wird schon in die Planung mit einbezogen und vergessen tun wir deutlich weniger. Die Sonne stört dank des Fahrwindes weder beim Fahren, noch heizt sich das Rad beim Parken auf. Jetzt müssen die Parkplätze für die Drahtesel nur noch kostenlos bleiben. Wir empfinden unseren Alltag nun deutlich stressfreier. Wenn wir mit dem Rad unterwegs sind kommen wir für eine kleine Rast jetzt auch an schönen Plätzen vorbei und hassten nicht immer gleich wieder nachhause. Diese Entschleunigung ist für uns eine wahrer Zugewinn an Lebensqualität.

Licht!

Kennt Ihr das noch, der Fahrer des Gegenverkehrs hebt eine Hand und bewegt sie drehend hin und her? Jetzt macht das kein Autofahrer mehr. Das Fahren mit Licht hat sich auch tagsüber etabliert. Es ist meist kein Versehen mehr, wenn man mit angeschalteter Beleuchtung fährt. Dieses Relikt aus alten Auto-Zeiten ist mir nun wieder begegnet. Beim Sonntagsausflug mit dem Rad rief mir ein älteren Herr entgegen: „Licht aus!“ Was wird der wohl machen, wenn die geplante Regelung in Kraft tritt, dass auch Fahrräder mit einer Tagfahrtbeleuchtung ausgestattet sein müssen? Das ist wohl wieder mal ein Zeichen für den Umbruch in Sachen Pedalieren.

Pedelec, eine Klasse für sich?

Im Alltagsverkehr fällt man mit dem Pedelec nicht sonderlich auf. Die Menschen um einen herum sind viel zu beschäftigt, als dass sie sich um einen kümmern könnten. Wenn wir aber mit unseren sirrenden Motoren auf den Ausflugswegen unterwegs sind, werden wir bemerkt. Brav wie wir sind kündigen wir uns vorausfahrenden Radlern mit unserer Glocke (leider immer noch keine Emo-Glocke) an. Unterstützt durch den Motor können wir dann entspannt überholen. Als Vorausfahrender bekomme ich nicht mit, wie sich unsere Pedal-Kollegen äußern. Wenn dann der Zweite unserer Gruppe die gerade Überholten passiert, sind so manche Äußerungen zu vernehmen. Den ganzen Text können wir nicht hören. Der Tonfall in dem gesprochen wird, klingt meist abfällig. Es ist, als gehörten wir nicht zu DEN Radfahrern. Ist es Neid? Wir wissen es nicht. Mir kommt es so vor wie bei den Autos. Mercedes und Porsche sind eine andere Klasse. Der Fahrer eines solchen Autos wird meist sehr kritisch betrachtet. Der rast, drängelt oder beansprucht die Straße für sich, ganz bestimmt. Zumindest das Vorurteil ist gesellschaftlich etabliert.

Sind wir mit unseren motorisierten Rädern nun die Mercedesfahrer unter den Radler? Ich kann mir auch gut vorstellen, dass das Bild vorherrscht, Gebrechliche und Ältere nutzen das E-Bike um überhaupt noch mobil sein zu können. Da sind dann wir „Junge“ also völlig grundlos mit Motorunterstützung unterwegs. Dabei macht es so viel Spaß Pedelec zu fahren. Vielleicht sollten wir unsere Räder mit einem fetten Schriftzug versehen.

Wir haben gar kein Auto!

Die Emo-Glocke

Emo, wie Emotional, und Glocke, wie Fahrradglocke, – das würde ich mir im Moment wünschen. Fahrradfahrer haben es nicht leicht. Für die Autofahrer ein Hindernis und für Fußgänger eine Bedrohung. Als reiner Freizeitradler war mir das früher nie aufgefallen. Es liegt wohl daran, dass ich mich beim Wochenend-Fahrradtripp wenig in der Stadt bewege und draussen unter Gleichgesinnten in die Pedale trete. Seit dem das Pedelec mein Hauptfortbewegungsmittel geworden ist bin ich schneller unterwegs. Das Umfeld in dem ich dann dahin sause ist geprägt von Menschen, die auch einen bestimmten Zielort ansteuern. Schnell ans Ziel, da ist wenig Platz für Muse. Um nun Unfälle mit den anderen Verkehrsteilnehmern zu verhindern muss ein jedes Fahrrad auf öffentlichen Straßen mit einer „helltönenden Glocke“, so steht es in § 64a StVZO, ausgestattet sein. Alleine das Ausgestattetsein verhindert den vermeidlichen Unfall aber nicht.

„Hallo, Vorsicht, ich fahre jetzt an Ihnen vorbei.“ Eine knappe aber freundliche Information an den Fußgänger, wird oft nicht als solche verstanden. Das drücken des Klingelhebels löst in meinem Fall ein helltönendes Ring-Ring aus. Ob es nett oder nötigend klingen soll, kann ich nicht bestimmen. Es bleibt der Deutung des Empfängers überlassen, welche Information im Ring-Ring steckt. Entsprechend der Deutung sind die Reaktionen sehr unterschiedlich. Bisher äußerten sich die Reaktionen  der Adressaten, die mein Klingeln fehldeuteten, zum Glück nur in bösen Blicken oder abfälligen Gesten. Ich versuche dann meine Botschaft nachträglich klar zu stellen und sage im Vorbeifahren freundlich „Danke“.

Unser Klingelverständnis ist geprägt von unserer Art die Hupe im Auto zu verwenden. Diese wird nämlich überwiegend als Ausdruck von Missfallen eingesetzt. Wenn ich mich an meine Aufenthalte in Peking zurück erinnere, finde ich dort eine völlig andere Art die Signale im Straßenverkehr einzusetzen. Es hupt, klingelt, brummt an allen Ecken. Kaum einer fühlte sich dadurch bedrängt. Mir entstand der Eindruck, dass der hupende damit auch „sagt“: „Ich habe Dich gesehen. Lass uns beide Aufpassen.“ Wenn es dennoch mal heissen soll: „Aus dem Weg! Du %&§“ behinderst mich!“ dann merkt man das am wiederholten betätigen des Signalgebers. In diesem Fall sind dann die Intervalle des Hupens schon richtig melodisch, so als würden damit Silben gesprochen.

Wir Deutschen sollten vielleicht auch mehr hupen. Aber so ordentlich wie wir sind beschränken wir uns auf ein kurzes Signal, das dann aber bei Fahrradfahrern zwangsläufig fehl gedeutet wird. Vielleicht probiere ich mal aus, wie eine Ding-Dong Glocke ankommt. Wenn ich damit andere Erfahrungen mache, kann ich ja bis zur Erfindung der Emo-Glocke mit zwei „helltönenden“ Glocken durch die Lande radeln.

Die Pferde sind im Stall

Jetzt haben wir unsere beiden Pedelecs.  Wie Ihr aus dem Menüpunkt „Praktisches“ ersehen könnt, haben wir uns die letzte Zeit intensiv mit dem Thema E-bike befasst.

Unter den Gesichtspunkten der Wartungsfreundlichkeit, Schlechtwettertauglichkeit, Robustheit, Reichweite und Produktionsort ist unsere Wahl auf zwei Modelle gefallen. Das Damenrad ist ein Göricke Merrit, ausgestattet mit einem Bosch Mittelmotor in Verbindung mit einer stufenlosen Nuvinci 360 Nabenschaltung. Für die nötige Bremskraft sorgt eine hydraulische Felgenbremse von Magura. Die ersten Ausritte bestätigten unsere Wahl. Es macht einfach Spaß und selbst bei Anstiegen ging uns nicht die Luft aus.

Auch das Herrenmodell entspricht bisweilen voll unseren Anforderungen. Eigentlich sollte es auch ein Göricke Merrit werden, aber in der benötigten Rahmengröße ist das Rad absehbar nicht verfügbar. Auf der Suche nach einer Alternative sind wir dann auf die Firma Jaccs aus der Ostalp gestoßen. Der schwäbische Fahrradbauer hat sich durch seinen ausgezeichneten Service im Vorfeld hervorgehoben. Während hier die Firma Göricke noch Nachholbedarf hat. Eine Mail an die Görickes von vor 5 Wochen ist bis dato nicht beantwortet. Herr Huttelmaier der Firma Jaccs war da das krasse Gegenteil. Alleine an einem Vormittag haben wir 7 Mails hin und her geschrieben um einige Fakten abzuklären. Das angebotene Rad konnte ich dann per Bahn direkt im Schwabenland abholen.

Das Jaccs Swing deluxe hat eine ähnliche Ausstattung wie das Göricke. Es war hier allerdings noch einiges mehr möglich. Aus der Nuvinci wurde eine Nuvinci Harmony (Automatik), der Akku hat 400 Wh und der Brooks-Sattel sitzt auf einer gefederten Sattelstütze (Suntour Parallelogramm). Ob sich die Automatik auch bei schlechtem Wetter bewähren wird, werden wir sehen. Für´s erste bin ich von dem Komfort, den mir die Schaltung in Verbindung mit dem Bosch-Motor bietet, begeistert und vertraue den Herstellerversprechen.

Göricke Merrit 2013

Göricke Merrit 2013

Jaccs, Schwing deluxe 2013

Jaccs, Schwing deluxe 2013